Affiliate-Marketing: Was es wirklich ist - und warum die meisten es falsch verstehen
Affiliate-Marketing: Was es wirklich ist - und warum die meisten es falsch verstehen
Ich arbeite seit 1997 im Affiliate-Marketing. Seit 2000 entwickle ich Software, mit der Unternehmen ihre Partnerprogramme inhouse betreiben. Ich habe gesehen, wie dieser Kanal entstanden ist, wie er gewachsen ist, was daran geflanscht wurde - und was von Anfang an drinsteckte.
Der Artikel, den ich hier schreibe, ist kein Überblick für Einsteiger. Es ist meine Einschätzung nach 29 Jahren Beobachtung von innen.
Was Affiliate-Marketing ursprünglich war
1997 gab es keine Affiliate-Netzwerke mit Gutschein-Publishern oder Browser-Plugins, die Cookies stehlen. Keine Cashback-Portale. Kein PostView-Tracking.
Es gab Webmaster.
Menschen, die eine Seite zu einem Thema betrieben. Die schrieben. Die rezensierten. Die verglichen Produkte, erklärten technische Details, zeigten Fotos, bauten echte Empfehlungsseiten auf. Wer auf diesen Seiten landete, war vorbereitet. Er wusste, was er wollte. Er kannte das Produkt. Er war kaufbereit.
Dieser Webmaster schickte den Nutzer per Link zum Händler. Der Händler machte den Umsatz. Der Webmaster bekam eine Provision.
Das ist Affiliate-Marketing in seiner ursprünglichen Form. Kein „Ich will maximale Provisionen verdienen und optimiere auf das Setzen höchstmöglicher Anzahl Cookies an alle Besucher". Keine Rabatt-Schlachten. Es war ein Empfehlungsmodell, das auf echtem Inhalt basiert und echten Mehrwert liefert(e).
Content war das Fundament
Was diese frühen Partner geleistet haben, nennt man heute Content Marketing. Damals hieß es einfach: eine gute Website haben.
In den Suchmaschinen bei relevanten Keywords ganz oben stehen. Videotext-Seiten buchen, die auf eigene Seiten verwiesen. Ratgeberseiten zu Elektronik, Reisen, Versicherungen. Produktvergleiche mit echten Tests. Bilder, Tabellen, Erläuterungen, technische Spezifikationen - alles aufbereitet für einen Nutzer, der noch nicht sicher war, aber kurz davor stand zu kaufen.
Der Partner übernahm die Überzeugungsarbeit. Der Händler schloss den Kauf ab.
Das war effizient. Für beide Seiten. Und es funktionierte, bevor jemand das Wort "Performance-Marketing" kannte.
Was später dazukam
Gutscheine sind nicht das Original. Sie sind ein Mechanismus, der irgendwann in den Kanal integriert wurde - aus gutem Grund, aber nicht von Anfang an.
Ein gut aufgebauter Gutschein-Code ist mehr als ein Rabatt. Er kann die Partner-ID verschlüsseln. Er funktioniert ohne Cookie, ohne Pixel, ohne Browser-Abhängigkeit. Er lässt sich in Radiospots einbauen. In Printanzeigen drucken. In Podcast-Empfehlungen nennen.
Das ist kein schlechtes Instrument. Es ist ein vielseitiges. Nur eben kein Kernbestandteil des Modells - Es ist eine Erweiterung, die sinnvoll ist, wenn der Kontext es verlangt.
PostView-Tracking ist ein anderes Beispiel. Technisch komplex. In bestimmten Szenarien berechtigt. Aber eine Kategorie, die das Bild des gesamten Kanals nach außen hin geprägt hat - stärker, als es dem Kanal gutgetan hat. Und den Blick verfälscht hat.
Gutscheine, Cashback, Post-View: Das sind Werkzeuge. Affiliate-Marketing ist das Haus.
Wie der Kanal heute aussieht
Was die frühen Webmaster gemacht haben, machen heute Creator. YouTuber, die Produkttests veröffentlichen. Podcaster, die Software-Empfehlungen in ihre Folgen einbauen. Newsletter-Autoren, die einmal pro Woche gute Inhalte mit zusätzlicher Werbung an ihre Leserschaft schicken. Instagram-Seiten, die Nischen-Zielgruppen mit echtem Inhalt erstellen und pflegen.
Das Modell ist dasselbe wie 1997. Wer guten Content hat, zieht die richtige Zielgruppe an. Wer die richtige Zielgruppe hat, kann sie kaufbereit zu einem Händler schicken. Wer kaufbereite Nutzer liefert, verdient eine Provision.
Social Commerce beschleunigt das gerade massiv. Inspiration und Kauf liegen näher zusammen als je zuvor. TikTok Shop, Instagram Shopping, Creator-Partnerschaften mit klaren Umsatz-KPIs - das ist kein neues Modell. Es ist das ursprüngliche Modell mit neuen Plattformen.
Der Kanal ist nicht neu. Er sieht neu aus.
Was Affiliate-Marketing kann
SEM (Paid Search) kauft Sichtbarkeit. Display kauft Reichweite. Social Advertising kauft Aufmerksamkeit - für eine kurze Zeit, auf einer Plattform, nach deren Regeln.
Affiliate-Marketing kauft nichts davon. Es baut Partnerschaften.
Ein gut geführtes Partnerprogramm ist eine Struktur, in der andere für Sie arbeiten - weil es für sie selbst rentabel ist. Kein Algorithmus entscheidet über die Sichtbarkeit. Kein Plattformwechsel macht Ihre Investitionen wertlos. Kein CPC-Anstieg frisst Ihre Marge.
Der Partner verdient, wenn er liefert. Und Sie zahlen nur, wenn Sie zusätzlichen Umsatz machen.
Seit 1997. Noch immer.
Was ich in 29 Jahren gesehen habe
Ich habe einige gute Programme gesehen, die Affiliate-Marketing wirklich ausschöpfen. 16 Affiliate Manager, die ihre Partner selbst akquirieren, motivieren, passend incentivieren, individuelle Werbemittel erstellen oder freigeben und helfen, die Website des Publishers mit zu verbessern (CTA, Vorverkauf, rechtliche Hilfestellung, Whitelabel).
Ich habe aber auch Programme gesehen, die seit Jahren dieselben 30 Publisher haben. Vergütungsmodelle, die seit 2018 nicht angefasst wurden. Tracking, das Zahlen produziert - aber niemanden, der sie gegen die Zahlen aus dem eigenen Data Warehouse und Analytics vergleicht. Merchants, die wissen, dass ihr Programm "läuft", aber nicht wissen, was es tatsächlich bringt - und wie wesentlich besser es laufen könnte.
Sowas entsteht, wenn ein Kanal jahrelang unterschätzt und „nebenbei" betrieben wird.
Affiliate-Marketing als Growth-Kanal sieht anders aus: Aktives Recruiting neuer Partner, differenzierte Provisionen für Neukunden versus Bestandskunden, eigene Provisionsstruktur je nach Warenkategorie und Publisher-Segment. Sauberes Tracking über eigene Systeme. Echtes Verständnis darüber, welche Publisher Mehrwert liefern - und welche nur Last-Click oder Gutschein-Provisionen kassieren - wo ggf. ein anderer Partner vorverkauft hat und der Kunde ohne einen Basket Freeze dann letztlich noch einen Gutschein sucht und eingibt.
Fazit und Ausblick
Ich programmierte die „Partnerprogramm Software 1.0" (Heute QUALITYCLICK) im Jahr 2000 mit der Idee, dass Merchants ihre Partnerprogramme selbst in die Hand nehmen können. Ohne Abhängigkeit von Netzwerken, ohne 30% Extra-Gebühr auf die Provision. Ohne Marktteilnehmer, die Daten über Programme hinweg sammeln und für eigene Zwecke verwenden. Also: Volle Kontrolle für jeden Betreiber eines Partnerprogramms.
NetSlave hat heute mehr als 300 Kunden. Ich habe in dieser Zeit über 800 Advertiser begleitet - direkt, von innen. Durch alle guten - und schwierigen - Phasen.
Die meisten Unternehmen, die Affiliate-Marketing betreiben, kennen das Modell in seiner vollen Tiefe nicht. Sie kennen eine Version davon. Oft die verwaltete. Oft die passive. Ich sehe die Möglichkeiten, die unsere Branche wirklich bietet. Und ich habe die Bandbreite an Kreativität und die inspirierende Kraft echter Affiliate Manager gesehen.
Das möchte ich gern fördern und wieder mehr echte Partnerschaften sehen.
Wer das Gespräch sucht: Jan Bischoff, Tel. 030-94408730 - jan.bischoff@qualityclick.com. www.qualityclick.com.